Das Leben aus ironischer Distanz

Feldkirch (VN) Eine glänzende Programmidee beim neuerdings zum „Forum Zeitklänge“ mutierten „Forum Feldkirch“, die singulären Balladen des spätmittelalterlichen französischen Dichters Francois Villon in Lesungen und Vertonungen mit einander zu verschränken. Ein zahlreiches Publikum bejubelte am Donnerstag auf der Schattenburg die ebenso hochkarätige Umsetzung dieser Idee. Francois Villon (1431 – 1463) war ein „bunter Hund“, in seinen bis heute aktuellen Texten voll beißender Sozialkritik das Urgestein aller Liedermacher. Ein aufmüpfiger Geist seiner Zeit, der sichselbst, das Leben und sogar den Tod stets aus ironischer Distanz betrachtete.

 

Deftige Sprache :

Michael Köhlmeier machte das in einem zentralen Leseblock mit einem sehr persönlichen Zugang deutlich, vertiefte sich in die deftige Sprache. Der Hauptanteil dieses Abends aber gehörte zwei exzellenten Musikern, die ihr schwieriges, umfangreiches Programm mit bestechender Kompetenz ausstatteten. Die Pariser Sopranistin Catherine Dubosc verfügt über so viele Fassetten gestalterischer und stimmlicher Ausdrucksmöglichkeiten, dass man bei ihrem französisch gesungenen Repertoire auch ohne Blick in die aufgelegten deutschen Texte den Gehalt der Lieder erahnen konnte. Ihr italienischer Klavierpartner Andrea Rucli zauberte dazu eine Fülle von Farben aus dem Flügel in die allzu trockene Akustik. Drei naturnahe Bilitis- Chansons nach Pierre Louys durch Claude Debussys impressionistischen Spiegel, das neunteilige „ La bonne chanson“ nach Paul Verlaine von Gabriel Faurés, drei „Melodies“ nach Cecile Sauvage von Olivier Messiaen – sie bereiteten die Stimmung für den Villon-Teil mit Debussys Vertonungen und dem Höhepunkt

des Abends.

 

Willi-Schüler :

Das war eine Uraufführung von vier Liedern nach Texten von Villon des gebürtigen Linzers und einstigen Willi- Schülers Alfred Huber. Faszinierend,

wie punktgenau er in seiner expressiven Musiksprache die Ironie, den Gehalt

der Texte trifft, wie er den Klavierpart ungemein eigenständig behandelt, der Sängerin extreme Spannweiten und dynamische Spagate zumutet. Ein Werk, das man gerne ein zweites Mal gehört hätte!

-Fritz Jurmann